Trendfolge-Beispiel:
Aktienähnliche Renditen, aber niedrigeres 
Risiko

Charakteristik: Bei diesem Strategie-Beispiel auf Basis der Trendfolge wurde das Kapital im Backtest zu 100 % in den kompletten US-amerikanischen Aktienmarkt investiert (repräsentiert durch VTI, den Vanguard Total Stock Market Index Fund), sofern ein Kauf- oder Haltesignal vorlag. Kam es zu einem Verkaufssignal, floss das Geld in sehr kurzlaufende Staatsanleihen. Handelssignale erfolgten auf monatlicher Basis, sodass Handelsfrequenz wie auch Transaktionskosten niedrig ausfallen (47 Signale seit 2003, das sind durchschnittlich 2 bis 3 im Jahr). Das Portfolio (Backtest, grüne Kurve*) wird mit einem Dauer-Investment in eben diesen Fonds verglichen (VTI, blaue Kurve).

Rendite: Der Backtest seit dem Jahr 2003 – wegen der ETF-Auflage der frühestmögliche Zeitpunkt für diese Strategie – zeigt, dass das Trendfolge-Portfolio (TreFo) mit einer annualisierten Rendite von 10,7 % knapp hinter einem Dauer-Investment mit 11,1 % durchs Ziel gegangen wäre. Dies liegt maßgeblich daran, dass in den USA seit 2009 ein inzwischen 12-jähriger Bullenmarkt herrscht, indem die Trendfolge aus systeminternen Gründen etwas zurück liegt. Aus 100.000 Dollar wären mit dem Trendfolge-Portfolio somit 477.000 Dollar geworden, ein Dauer-Investor hätte 503.000 Dollar. **

Warum wäre es dennoch sinnvoll gewesen, das Trendfolge-Portfolio zu nutzen? Erstens ist die Sharpe-Ratio bei unserem Trendfolge-Portfolio mit 0,70 spürbar höher als bei Buy and Hold – dies bedeutet, dass der Daueranleger für seine überschaubare Mehrrendite ein unangemessen höheres Risiko hätte eingehen müssen. Zum anderen gab es Phasen, in denen das TreFo-Depot klar und deutlich besser gewesen wäre als das Buy-and-Hold-Depot – so etwa 2008/09. Damals hätte das Trendfolge-Portfolio seit Auflage einen Gewinn von rund 100 % verbucht, während der Daueranleger auch nach 6 Jahren noch keinen Cent verdient hätte!

Risiko: Dass Trendfolger auf Dauer fast zwangsläufig besser fahren als Buy-and-Hold-Anleger, hat einen Grund: Sie verlieren in langen Börsenabschwüngen deutlich weniger Geld. Dies zeigen die „Summary Statistics“ unterhalb des Kursbilds (oben). Demnach hätte der größte Maximale Verlust (Max. Drawdown) in den vergangenen 18 Jahren gut 21 % betragen, während das Buy-and-Hold-Depot mit 55 % viel stärker einbrach!

Achten Sie bitte auf die grüne Kurve in der Finanzkrise 2008/09, als das TreFo-Portfolio kaum an Wert verloren hätte! Dies war die Phase, als der Dauer-Investor 55 % seines Geldes einbüßte und womöglich entnervt das Handtuch warf – in diesem Fall hätte er jetzt natürlich keine Rendite von 11,1 % p.a. erzielt! Diese geld- und nervenschonende Mechanik der Trendfolge beruht auf systemimmanenten Gründen und dürfte in ähnlichen Situationen wieder greifen. Zu dem Einbruch von 21 % im Trendfolge-Portfolio wäre es übrigens erst Ende 2018 gekommen (grauer senkrechter Balken im Chart).

Jährliche Entwicklung: Der Blick auf die Performance-Tabelle (unten) zeigt die Erträge (Kursveränderungen zzgl. Dividenden und Zinsen) wie auch die maximalen Verluste der beiden Portfolios in den Kalenderjahren seit 2003. Die Werte für das TreFo-Portfolio finden sich in der linken Spalte (Total Return), jene fürs Vergleichsdepot (VTI Total Return) rechts daneben. In der mittleren Spalte (+/-) wird die Differenz zwischen den Portfolios angegeben. Ein Wert in der Farbe Grün bedeutet, dass das Trendfolge-Portfolio im betreffenden Kalenderjahr besser abgeschnitten hätte als das Vergleichsdepot. Die rote Farbe signalisiert, dass seine Wertentwicklung geringer gewesen wäre.

Wer sich nur diese Tabelle ansähe, wäre wohl kaum motiviert, in das Trendfolge-Portfolio zu investieren: In 6 der 18 Jahre schnitten Trendfolge und Buy-and-Hold gleich gut ab; in 11 Jahren liegt das TreFo-Portfolio zurück – teils deutlich, etwa 2019. Und nur in 1 Jahr (!) wäre es um Längen besser gewesen als das Vergleichsdepot. Und doch sind es genau diese Werte, die einem TreFo-Anleger über Jahre hinweg Renditen wie am Aktienmarkt, aber mit einem deutlich geringeren Risiko ermöglicht hätten (s.o. zum Risiko). Maßgeblich dafür ist das Jahr 2008, in dem unser Trendfolge-Beispiel fast 7 % gewonnen, der Fonds aber 37 % verloren hätte – eine Differenz von beinahe 44 Prozentpunkten!

Diese Form der Kapitalsicherung – nicht auf dem höchsten, aber auf einem akzeptablen Niveau auszusteigen – in Kombination mit der Fähigkeit, zu 100 % ins Risiko zu gehen, sind die großen Qualitäten der Trendfolge. Doch kann es immer wieder Phasen geben, wie in den 1970er-Jahren, an denen sich an den Aktienmärkten keinerlei nachhaltige Trends abzeichnen und man mit einer Trendfolge-Strategie auch längerfristig Geld verlieren würde. Deshalb empfiehlt es sich, nicht ausschließlich auf die Trendfolge zu setzen, sondern sie entweder mit Minimale Korrelation oder darüber hinaus in der Dynamische Asset Allocation mit dem Relatives Momentum-Portfolio zu kombinieren.

* Charts und Tabellen von www.etfreplay.com

** Die Renditen sind in Dollar angegeben, entsprechen nach unseren Recherchen aber in etwa den Renditen, die sich für einen Euro-Anleger ergeben hätten. Die Differenz der Renditen in Dollar bleibt in der Euro-Währung erhalten. 


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